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Der Friedrich Barbarossa Avatar in Kaiserslautern. Ein Interview mit seinem Entwickler Dr. Christoph Dammann

Dr. Christoph Dammann ist seit Mai 2014 Direktor des Kulturreferates der Stadt Kaiserslautern. Dort hat er die Personal- und Budgetverantwortung für alle städtischen Kultureinrichtungen, den Konzertsaal Fruchthalle, das Stadtmuseum, das Stadtarchiv, die Emmerich-Smola-Musikschule und Musikakademie und die Stadtbibliothek. Weitere seiner Aufgabenschwerpunkte sind außerdem die kulturelle Bildung, die Digitalisierung, die Vernetzung innerhalb der Stadtgesellschaft und die Unterstützung der freien Kulturszene und der Stadtteilkultur. Er hat auch die künstlerische Leitung der traditionsreichen Konzerte in der „Fruchthalle“ sowie der „Langen Nacht der Kultur“ und des von ihm gegründeten Literaturfestivals Kaiserslautern. Vor seiner aktuellen Tätigkeit war er langjährig auf Leitungspositionen im Kulturmanagement tätig. Daneben hatte er seit vielen Jahren verschiedene Lehraufträge inne. 


Masterclass-Avatare: Wie kam es zur Idee, Kaiser Friedrich Barbarossa als interaktiven Avatar zu erstellen?

 

Christoph Dammann:  Wir feiern dieses Jahr 750 Jahre Stadtrechte Kaiserslautern und wir wollten etwas Cooles, Neues, Digitales für unser Stadtmuseum machen. Ich habe dann mit meiner Avatar-Idee fünf Firmen angeschrieben, die so was machen und habe denen gesagt: wir wollen Kaiser Barbarossa aus tiefstem, 900-jährigem Schlaf erwecken und er soll mit dem Publikum im Stadtmuseum sprechen.

Nur eine Firma hat geantwortet und mitgeteilt, das würde so zwanzig- bis fünfundzwanzigtausend Euro kosten. Ohne Hardware.

Das hat unser Budget nicht hergegeben, aber mit so was provoziert man mich natürlich und so habe ich ChatGPT gefragt, wie man einen Avatar erstellt. ChatGPT hat mich Schritt für Schritt dahin geführt und jetzt haben wir ein sehr leistungsfähiges 3D Modell, das alle Fragen beantworten kann.

 

Masterclass-Avatare: Welche Tools und Technologien haben Sie verwendet, um den Avatar zu erstellen?

 

Christoph Dammann: Ausgangspunkt war ein zweidimensionales Foto einer mittelalterlichen Skulptur aus der Zeit von Friedrich Barbarossa. Für das 3D-Modell hat mir ChatGPT die Open Source Freeware „Meshy AI“ empfohlen und damit habe ich das Modell hergestellt, das jetzt im Einsatz ist. Für die Mimik hat ChatGPT erklärt, wie das mit Blendshapes und so weiter funktioniert. Das habe ich auch hingekriegt, war aber nicht zufrieden. Hier habe ich mir professionelle Hilfe geholt von einem Absolventen aus dem Bereich Virtual Design unserer Hochschule. Er hat mir saubere Blendshapes eingebaut und den Bart noch rot gefärbt.

Danach habe ich mithilfe von ChatGPT das ganze serverbasiert mit JavaScript in eine HTML-Seite eingebaut – alles mithilfe von ChatGPT, denn ich selber beherrsche keinerlei Programmiersprache.

Aus Kostengründen habe ich entschieden, dass die Sprache des Avatars vor Ort im Browser erzeugt wird. Klingt super und funktioniert lippensynchron.

Die üblichen Avatar-Plattformen wie HeyGen, Synthesia oder D-ID spielen bei unserem Friedrich keine Rolle, die brauchte ich nicht.

 

Masterclass-Avatare: Wie stellen Sie sicher, dass die Persönlichkeit sowie die historischen Informationen, die der Avatar vermittelt, korrekt und aktuell sind?

 

Christoph Dammann: Über Prompts habe ich unserem Friedrich einen Charakter gegeben. Er ist ein alter, weiser Herrscher mit Humor und Augenzwinkern, der in altertümlichem Deutsch antwortet.

Mit Prompts kann man sehr viel machen. Man kann den Charakter beeinflussen, man kann die Qualität der Antworten beeinflussen. Ich habe die Länge der Antworten beeinflusst. Ich habe gesagt, im Fragemodus bitte nur fünf vollständige Sätze und im Dialogmodus bitte drei Sätze – es sei denn, dass nach sehr speziellen Fakten gefragt wird. Für den Fall gibt es eine Entscheidungslogik im JavaScript Hintergrund, dann darf der Avatar ein bisschen länger antworten.

Durch eine Logik habe ich sichergestellt, dass der Avatar in der Lage ist, den Charakter der Fragen zu erkennen. Ist es eine Frage, wo ich sehr faktengetreu antworten muss? Dann greift er auf Wikidata zurück und erkennt dort alle Felder. Das habe ich ihm beigebracht. Dann schaut er auf die Zusammenfassungen von Wikipedia und damit sind wir ziemlich auf der sicheren Seite, was historische Fakten betrifft.

 

Masterclass-Avatare: In welchen Sprachen ist der Avatar verfügbar?

 

Christoph Dammann: In Deutsch und Englisch.

Masterclass-Avatare: Wie lange haben Sie insgesamt an dem Projekt gearbeitet?

 

Christoph Dammann: Wir haben das Anfang März veröffentlicht. Die Idee entstand im Herbst. Ich glaube, so richtig angefangen zu arbeiten habe ich im November und da stecken etliche Wochenenden, ein paar Abende und ein paar lange Zugfahrten drin.

Irgendwann lief es stabil, aber ich arbeite eigentlich immer noch weiter daran, um das Ergebnis zu verfeinern und zu verbessern. Daueraufgabe eigentlich. Ich glaube aber, so langsam ist ein Stadium erreicht, wo ich mal loslassen kann.

 

Avatar-Masterclass: Was macht Ihrer Meinung nach den Avatar so besonders?

 

Christoph Dammann: Dass es kaum ein öffentliches Museum gibt, wo ein Avatar in dieser Qualität und mit diesen Fähigkeiten verfügbar ist.

 

Masterclass-Avatare: Wie hat die Öffentlichkeit auf den Avatar reagiert?

 

Christoph Dammann: Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Es gab ein großes Medieninteresse seitens TV, Rundfunk und Zeitungen.

 

Masterclass-Avatare: Gibt es erste Statistiken, wie viel Prozent der Museumsbesucher:innen den Avatar nutzen?

 

Christoph Dammann: Fast alle. Die Nutzung kostet nichts. Unser Museum kostet keinen Eintritt, was die Dauerausstellung betrifft und der Avatar erzeugt direkt im Eingangsbereich jede Menge Aufmerksamkeit.

 

Masterclass-Avatare: Wie sehen Sie die Zukunft der interaktiven Avatare in der Kulturvermittlung? Glauben Sie, es gibt Potenzial, weiter zu wachsen?

 

Christoph Dammann: Ja, auf jeden Fall. Ich würde es auch nicht auf Museen beschränken. Ich glaube, Avatare haben im gesamten Bereich der sogenannten kulturellen Bildung eine große Zukunft, weil es ebenso spielerisch ist. Es ist weniger abstrakt, als wenn man sich mit anderem Lehrmaterial beschäftigt.

 

Masterclass-Avatare: Welche Folgekosten hat der Avatar?

 

Christoph Dammann: Gute Frage. Die Herstellung hat uns praktisch nichts gekostet, abgesehen von einem überschaubaren Honorar für die Blendshapes.

Ich habe zweimal ein Abonnement für ChatGPT plus abgeschlossen. Das sind je 24 € im Monat. Die Tokens kosten im Augenblick noch unter 10 € im Monat, also kaum messbar. Die Serverkosten liegen glaube ich bei 7 € im Monat. Also quasi gleich null. Das kann sich jedes Museum leisten.

 

Masterclass-Avatare: Haben Sie noch Pläne für ähnliche Projekte?

 

Christoph Dammann: Tatsächlich ja, aber darüber möchte ich noch nicht zu viel verraten.

 

Masterclass-Avatare: Letzte Frage. Der Avatar zitiert des Öfteren scherzhaft einen seiner Minister, Nikolaus Härtel. Gab es den wirklich?

 

Christoph Dammann: (lacht) Nein. Das ist so ein kleiner Seitenscherz.

In der Testphase habe ich da immer unseren Museumsleiter eingebaut. Jetzt nach dem Launch ist dieser Minister mit seinen scherzhaften Andeutungen eine Anspielung auf einen früheren Oberbürgermeister von Kaiserslautern. Das verstehen aber wirklich nur absolute Insider, die gut rätseln können.

 

Masterclass-Avatare: Vielen Dank für diese Einblicke hinter die Kulissen des Friedrich Barbarossa Avatars.

 

Ein Avatar-Update von Masterclass-Avatare.

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